Installationsansichten Klangriffe Festival, Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, 2003

       
Installationsansichten File Festival, Centro Cultural FIESP, Sao Paulo, 2004

         
Installationsansichten SoundImage Ausstellung, Laboratorio Arte Alameda, Mexico City, 2003


Mit der Benutzung der Headsets bekommen die Besucher Regeln auferlegt, die ihre Kommunikation massgeblich mitbestimmen. Eingangs überrascht vor allem das Wahrnehmen der eigenen Stimme und die buchstäbliche Reflexion des selbst Gesagten. (Die Wahrnehmung der eigenen Handlung wird von der Ausführung der Handlung entkoppelt.) Beim Versuch, mit dem Gegenüber in Dialog zu treten, zeigen sich weitere Auswirkungen der technischen Anordnung. Ein Gespräch kann nur stattfinden, wenn man auf das Eintreffen der akustischen Information wartet, das Gesagte des Anderen dann aber im Moment des Hörens als bereits Vergangenes akzeptiert. Ständig wirkt die Verschiebung zwischen Gesehenem (Gebärden, Mimik und Lippenbewegungen des Gegenüber) und Gehörtem für unsere Sinne unvereinbar. Zudem erzeugen unsere Affekte für Turbulenzen im Gespräch: so geschieht es häufig, dass die Dialogpartner über die paradoxe Situation oder in direkter Reaktion auf das Gehörte ins Lachen geraten. Dann ist die Kontrolle über den Dialog verloren und er muss von neuem gestartet werden.

Die Installation Delayed stellt Bezüge her zur technischen Erweiterung der menschlichen Sinne mittels Telekommunikations-Technologien. Das Delay in der Leitung, das aus dem Spürbarwerden der Datenrate beziehungsweise mangelhafter Übertragungsgeschwindigkeit resultiert, steht auch hier für eine Irritation des Jetzt-Gefühls und thematisiert die Distanz zum Gesprächspartner. Aber auch die Reizleitung und -verarbeitung innerhalb des menschlichen Körpers via elektrischer Ströme durch Nerven und Synapsen unterliegt zeitlichen Verzögerungen. Alle unsere Wahrnehmung von der Welt ist zeitverzögert. Diese Zeitverzögerung wird ins Wahrnehmbare gedehnt. Die Delay-Zeit von drei Sekunden entstammt der Hirnforschung, wo diese Grösse von Forschern als Gegenwartsfenster betrachtet wird. Innerhalb dieses Fensters sind wir gewohnt, Wahrgenommenes miteinander zu verknüpfen, Satzkonstruktionen aufzulösen, etc. Die Delay-Zeit von drei Sekunden versetzt uns also ausserhalb oder an den Rand unseres gewohnten Gegenwartsfensters und wirft die Frage auf nach der Konstruktion von Gegenwart.