Mit der Benutzung der Headsets bekommen die Besucher Regeln auferlegt, die
ihre Kommunikation massgeblich mitbestimmen. Eingangs überrascht vor
allem das Wahrnehmen der eigenen Stimme und die buchstäbliche Reflexion
des selbst Gesagten. (Die Wahrnehmung der eigenen Handlung wird von der
Ausführung der Handlung entkoppelt.) Beim Versuch, mit dem Gegenüber
in Dialog zu treten, zeigen sich weitere Auswirkungen der technischen Anordnung.
Ein Gespräch kann nur stattfinden, wenn man auf das Eintreffen der
akustischen Information wartet, das Gesagte des Anderen dann aber im Moment
des Hörens als bereits Vergangenes akzeptiert. Ständig wirkt die
Verschiebung zwischen Gesehenem (Gebärden, Mimik und Lippenbewegungen
des Gegenüber) und Gehörtem für unsere Sinne unvereinbar.
Zudem erzeugen unsere Affekte für Turbulenzen im Gespräch: so
geschieht es häufig, dass die Dialogpartner über die paradoxe
Situation oder in direkter Reaktion auf das Gehörte ins Lachen geraten.
Dann ist die Kontrolle über den Dialog verloren und er muss von neuem
gestartet werden.
Die Installation Delayed stellt Bezüge her zur technischen Erweiterung
der menschlichen Sinne mittels Telekommunikations-Technologien. Das Delay
in der Leitung, das aus dem Spürbarwerden der Datenrate beziehungsweise
mangelhafter Übertragungsgeschwindigkeit resultiert, steht auch hier
für eine Irritation des Jetzt-Gefühls und thematisiert die Distanz
zum Gesprächspartner. Aber auch die Reizleitung und -verarbeitung innerhalb
des menschlichen Körpers via elektrischer Ströme durch Nerven
und Synapsen unterliegt zeitlichen Verzögerungen. Alle unsere Wahrnehmung
von der Welt ist zeitverzögert. Diese Zeitverzögerung wird ins
Wahrnehmbare gedehnt. Die Delay-Zeit von drei Sekunden entstammt der Hirnforschung,
wo diese Grösse von Forschern als Gegenwartsfenster betrachtet wird.
Innerhalb dieses Fensters sind wir gewohnt, Wahrgenommenes miteinander zu
verknüpfen, Satzkonstruktionen aufzulösen, etc. Die Delay-Zeit
von drei Sekunden versetzt uns also ausserhalb oder an den Rand unseres
gewohnten Gegenwartsfensters und wirft die Frage auf nach der Konstruktion
von Gegenwart. |