Auszug aus dem Textbeitrag zum Projekt, erschienen in 'form diskurs'-Zeitschrift für Design und Theorie, April 1999

Der Entwurf unter dem Titel "RechNarr" versteht sich als ein visionäres Mensch/Computer Szenario, als Versuch, eine adäquate Brücke zu schlagen zwischen der Welt der Bits und jener der Atome. Ausgehend von menschlichen Verhaltens- und Kommunikationsmustern, soll sich die Interaktion mit der Maschine grunglegend an diese Bedürfnisse anpassen. Gleichzeitig muß der Divergenz und Authentizität Sorge getragen werden. Die Frage, wann der Computer als Maschine und wann er als "Charakter" verstanden wird, bekommt im Zusammenhang mit Humor, dieser dezidiert menschlichen Gabe, zentralen Stellenwert.

Der RechNarr besteht in seiner Grundstruktur aus drei kategorischen Elementen: den Tools, den MetaTools und dem Betriebssystem.

Die Tools sind eine Serie von Dingen, denen bestimmte digitale Eigenschaften und Möglichkeiten zugeordnet sind. Sie sind Werkzeuge mit eingeschränkten Funktionen, sind nicht "Alleskönner" wie das Keyboard und die Maus. So ist der Stift zum Schreiben da, der Pinsel zum Malen, das Musikinstrument zum Musizieren,... Die Tools sollen die digitale Ebene im konkreten Sinne greifbar und erfahrbar gestalten. In ihrer formalen Gestalt sind die Tools maßgeblich beeinflußt von Alltagswerkzeugen und erhalten dadurch eine intuitive/ kognitive Zuordnung. Man mu§ sie nicht erlernen wie ein Programm, sondern lediglich "wiedererkennen". Ihre digitalen Möglichkeiten können sie zudem unabhängig vom System, als autarke und portable Geräte entfalten: Der Stift speichert Notizen, das Musiktool dient als Diktiergerät und Sampler.

Die MetaTools sind die Eingabe- und Ausgabemedien des RechNarr. Als Wahrnehmungswerkzeuge des Computers kommen sie den menschlichen Sinnen nahe. Sie können sehen, hören, tasten und schmecken, sie tönen, projizieren und duften. Die Metatools reagieren aufeinander und verbinden die Aktionen der Tools mit dem System. Sie können variabel platziert und somit entweder auf dem Schreibtisch aufgestellt werden oder den ganzen Raum miteinbeziehen.

Ein Koffer beherbergt das Betriebssystem des RechNarr und dient gleichzeitig zur Aufbewahrung der Tools und Metatools sowie zu deren Transport. In Verbindung mit dem System bekommen Tools und MetaTools die Fähigkeit, untereinander zu kommunizieren, das heißt selbständig Informationen auszutauschen- natürlich kabellos.

Die Archivierung der Daten geschieht nicht in Ordnern und Unterordnern sondern im 3D Raum gemäß der persönlichen Systematik des Benutzers: es können virtuelle Regale oder Dokumentenstapel errichtet werden, die den vielfältigen räumlichen Erinnerungs- und Ordungssystemen des menschlichen Gehirns folgen. Dabei bleiben die Daten immer "aktiv", d.h. sie müssen, um erfahrbar zu werden nicht erst geöffnet werden. Beim "Rundflug" durch das eigene Archiv werden Bilder, Sounds und Gerüche direkt erlebt.

Eine Random- Funktion des Systems erzeugt sogenannte DataBabies. Dokumente können sich untereinander "befruchten" und virtuelle Nachkommen zeugen, wobei einerseits wildes Sinnesgewirr oder auch eine intelligente, also gezielte ironische Imitation der Arbeitsweisen und Präferenzen des Benutzers das Resultat sein können. Diese DataBabies werden dem Benutzer präsentiert und er kann erscheiden, ob er sie behalten möchte oder nicht. Zufall, Fehler und Chaos existieren hier als wichtiger Teil des Ganzen.

Insgesamt versucht dieses Konzept integrativ zu wirken. Spielerisch und humorvoll werden die analoge und die digitale Welt miteinander verknüpft. Der bislang bestehende Widerspruch zwischen immersiv- virtueller Umgebung und realem Lebensraum soll aufgehoben werden.